Niederlande


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Lage: Zentraleuropa, Nordseeküste
Größe: 41.526 qkm
Einwohner: 15,6 Millionen
Amtssprache: Niederländisch, Friesisch (wird nur in Friesland gesprochen)
Hauptstadt: Amsterdam / Regierungssitz: Den Haag
Währung: Euro (€), 1 € = 100 Eurocent
Nationalhymne: "Het Wilhelmus"
Nationale Feiertage: Königinnentag (30. April), Befreiungstag (5. Mai, fünfjährlich)



Die Niederlande liegen in Zentraleuropa und Grenzen an Deutschland und Belgien. Sie sind dezentralisiert organisiert und werden in 12 so genannte "Provincies" eingeteilt. Diese sind Utrecht, Nord- und Südholland, Zeeland, Brabant, Limburg, Flevoland, Gelderland, Overijssel, Drenthe, Groningen und Friesland.
Ein Teil der Niederlande liegt unterhalb des Meeresspiegels, daher der Name ("die niederen Lande").
Das Land hat aufgrund seiner Lage ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern. Besonders an der Nordseeküste ist das Klima stärker vom atlantischen Einfluss geprägt, der nach Osten hin abnimmt. In der Nähe der deutschen Grenze kommt es daher zu etwas kälteren Wintern und leicht wärmeren Sommern.

Allgemeine Informationen

Mit mehr als 16,5 Millionen Einwohnern und durchschnittlich 488 Einwohnern pro Quadratkilometer sind die Niederlande das am dichtesten besiedelte Land der Europäischen Union und gehören auch weltweit zu den am dichtesten bevölkerten Ländern. Die gesamte Landesfläche beträgt 41.500 Quadratkilometer. Amsterdam ist zwar die Hauptstadt, jedoch sitzt die Regierung in Den Haag. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung lebt in der Randstad, dem Ballungszentrum aus den Städten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht. Mit einem Abstand von 62 Kilometern liegen dabei Den Haag und Utrecht am weitesten voneinander entfernt. Besucher, die eine Rundreise unternehmen möchten, müssen dabei keine großen Strecken zurücklegen: Von Nord nach Süd sind die Niederlande 400 Kilometer lang, von Ost nach West sogar nur 200 Kilometer. Die Niederländer sind Gründungsmitglied der Europäischen Union.


Geschichte der Niederlande

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis 30.000 Jahre zurück. Um 4000 vor Christus, in der Jungsteinzeit, sind große Gebiete von den Kelten besiedelt. Die Germanen dringen um 1500 vor Christus in die Marschen vor und besiedeln sie, indem sie Häuser auf künstlich aufgerichteten Erdhügeln bauen. 100 vor Christus leben in den nördlichen Küstenlandschaften die Friesen, im Rheindelta die germanischen Bataver, im Osten die Sachsen. Zwischen 58 und 51 vor Christus wird ganz Gallien von den Römern und Julius Cäsar erobert und dem Imperium Romanum einverleibt.

Zwischen 12 vor Christus und 9 nach Christus versuchen die Römer vergeblich, die Germanen rechts des Rheins zu unterwerfen. Von 69 bis 71 erheben sich die Bataver unter Claudius Civilis. Dennoch dauert die römische Herrschaft bis ins Jahr 400. Dann besetzen die salischen Franken das Gebiet zwischen Maas, Schelde und Niederrhein. Die Niederlande werden von 481 bis 834 in das Gebiet der Franken einbezogen. Im Vertrag von Verdun 834 wird das Gebiet geteilt: Westlich der Schelde geht an Frankreich unter Karl dem Kahlen, östlich der Schelde an das Reich Lothars (Lotharingien, die heutigen Niederlande). Nach der Teilung Lotharingiens 870 zwischen Frankreich und Deutschland entstehen bedingt durch den Zerfall des Karolingerreichs zahlreiche Einzelherrschaften.

Dann werden die Niederlande vereinigt und vom Heiligen Römischen Reich durch den Burgunderherzog Philipp dem Guten abgetrennt. Danach fallen die Niederlande zunächst an die Habsburger (Österreich), schließlich durch Erbschaft an die Spanier. Zwischen 1566 und 1648 kommt es zum Aufstand gegen die spanische Vorherrschaft, zunächst mit einer Bittschrift, dann mit einem bewaffneten Widerstand, der 1579 in die Gründung der Utrechter Union mündet. Mit dem Sieg des Admirals Jacob van Heemskerk bei Gibraltar 1607 müssen sich die Spanier geschlagen geben. Die Niederländer beginnen, die Weltmeere zu erforschen und Kolonien zu gründen (Surinam 1613, Kap Hoorn 1616 und Batavia auf Djakarta 1619).
Es kommt zu inneren Unruhen, vor allem während des Dreißigjährigen Kriegs, doch 1648 erkennt Spanien die Unabhängigkeit der Niederlande an (Westfälischer Frieden). Bis Mitte des 17. Jahrhunderts steigen die Niederlande zu einer bedeutenden Kolonialmacht auf, bevor 1672 bis 1678 ein Krieg mit Frankreich tobt. Der Niedergang des einstmals “goldenen Zeitalters” hat begonnen und wird durch innere Unruhen sowie den Krieg gegen Großbitannien und eines erneuten Angriffs Frankreichs begünstigt.

Der Versuch, Belgien und die Niederlande zu einem Staat zusammenzufassen, scheitert und Belgien erklärt sich 1830 für unabhängig. Unter Königin Wilhelmina werden 1890 bis 1948 soziale Gesetze und das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Die Niederländer bleiben im Ersten Weltkrieg streng neutral, werden aber im Zweiten durch deutsche Truppen besetzt.

Nach 1948 zerfällt das Kolonialreich, aber die Niederlande unterzeichnen mit Belgien und Luxemburg ein Zollabkommen. Die Niederlande werden Mitglied der EG – später der EU – und tragen 1991 das Gipfeltreffen von Maastricht aus, in dem über die Vollendung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion noch in diesem Jahrtausend beschlossen wird. Die Niederlande gehören mit zur Währungsunion und tauschen damit Anfang 2002 ihre Währung gegen den Euro.


Klima

Durch die Lage an der Nordsee herrscht in den Niederlanden ein gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern und kühlen Sommern. Der Januar ist in den meisten Orten der durchschnittlich kälteste Monat, Juli ist die wärmste Zeit des Jahres. Die sonnigsten Landesteile finden Urlauber im Westen von Zeeland sowie im Nordwesten von Noord-Holland und auf der Insel Texel mit zirka 1.600 bis 1.700 Sonnenstunden. Durchschnittlich fallen pro Jahr 790 Millimeter Regen.
 

Landschaft

Das Wasser prägt die niederländische Landschaft wie kein anderes Element. Drei große europäische Flüsse – Rhein, Maas und Schelde – münden in den Niederlanden in die Nordsee und formen ein wichtiges Delta. Ungefähr 26 Prozent der Landesfläche liegen unter dem Meeresspiegel. Deiche, Polder und Schutzanlagen sind das Ergebnis des jahrhundertelangen Kampfes der Bevölkerung gegen das Wasser. Doch bieten die Niederlande mehr als nur flache, grüne Polderlandschaften und schwarzweiß gefleckte Kühe: Im Norden und Westen umspült die Nordsee die Küste, und Strände laden zum Baden ein. In der Mitte wechseln sich Landstriche mit Wäldern und Sandverwehungen ab. Im Osten liegen Moorlandschaften, während Limburg im Süden von kalkreicher Hügellandschaft geprägt ist.


Währung

Die Niederlande gehören zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Union und führen seit 2002 den Euro als offizielle Währung. Davor gab es den "niederländischen Gulden" (abgekürzt f, fl oder hfl, von "Florin"). 1 hfl = 100 Cents.


Bevölkerungsgruppen

Neben den autochthonen Niederländern, die mit 80 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe ausmachen, bilden Türken, Surinamer, Marokkaner und Bürger von Aruba und den ehemaligen Niederländischen Antillen die größten Minderheiten. Städte wie Amsterdam zählen rund 170 verschiedene Nationalitäten.

Sprache

Niederländisch ist die offizielle Landessprache. Einwohner der Provinz Friesland können jedoch wählen zwischen Niederländisch und Friesisch, das als einzige regionale Sprache offiziell anerkannt wurde. Niedersächsisch und Limburgisch sind weitere regionale Sprachen und auch in anderen Regionen sprechen die Menschen neben Niederländisch einen Dialekt. Darüber hinaus beherrschen viele Niederländer Deutsch und Englisch.
Religion

Zwar sind die Niederlande von alters her ein christlich geprägtes Land, doch bezeichnet sich heutzutage nur die Hälfte der Bevölkerung als religiös. Im Norden und Westen bilden die Gläubigen die Minderheit, während Katholiken in den südlichen Provinzen Noord-Brabant und Limburg zahlenmäßig überlegen sind. Als Folge jahrzehntelanger Immigration wuchs auch die Vielfalt der Religionen.

Staatsform

Die Niederlande sind eine konstitutionelle Monarchie mit Königin Beatrix als Staatsoberhaupt. Gemeinsam mit den Ministern bildet die Königin die Regierung. Ministerpräsident Mark Rutte steht an der Spitze des Ministerrats, der sich aus Ministern und Staatssekretären zusammensetzt. In einer parlamentarischen Demokratie liegt die Entscheidungsgewalt bei der Volksvertretung; in den Niederlanden ist dies die Zweite Kammer.
Das Parteiensystem der Niederlande ist ein Mehrparteiensystem: Alle vier Jahre geben die wahlberechtigen Bürger ihre Stimme ab und bestimmen so die Zusammensetzung des Parlaments (Staten-Generaal), das aus der Ersten und Zweiten Kammer besteht. Die Zweite Kammer initiiert gemeinsam mit dem Ministerrat Gesetze und prüft, ob diese bestimmungsgemäß ausgeführt werden. Die Erste Kammer kontrolliert die Zweite Kammer.

Umgangsformen

Die Niederländer gelten als kreativ, offen und pragmatisch. Sie zeichnen sich durch einen sehr direkten und ehrlichen Umgang mit ihren Mitmenschen aus. In geschäftlichen Beziehungen bewegen sich die Niederländer schnell auf einem informellen und freundschaftlichen Level, nicht ohne jedoch im Gegenzug ein hohes Maß an Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu erwarten. Die niederländische Toleranz im Zusammenhang mit Themen wie Abtreibung, Euthanasie und dem Konsum von (weichen) Drogen ist international bekannt, ebenso wie ihre sprichwörtliche Sparsamkeit. Als „Going Dutch“ bezeichnet man im Ausland deshalb auch das Teilen einer Rechnung im Café oder Restaurant.
Zur Begrüßung schütteln sich Niederländer die Hand. Erst ab dem zweiten Treffen wird das Händeschütteln von drei Küssen auf die Wangen begleitet. Auch bei geschäftlichen Zusammenkünften wird rasch zum Duzen übergegangen. Dadurch wirkt der Umgang schnell informell und freundschaftlich, jedoch wird lange ein bestimmtes Maß an Förmlichkeit beibehalten. Für Niederländer bleiben Geschäftliches und Privates oft getrennte Bereiche, und Kollegen werden durch das Duzen nicht automatisch zu Freunden.

Literatur über die Niederlande





Quelle: Niederländischen Büros für Tourismus & Convention (NBTC)