Samstag, 4. Januar 2014

"Neue Nachbarschaft - Deutschland und die Niederlande, Bildformung und Beziehungen seit 1990" von Jacco Pekelder [Buchrezension]

Der agenda-Verlag hat Ende 2013 ein neues Buch herausgebracht, das - nach "Typisch Niederländisch - die Niederland von A bis Z" - wieder einmal unser nordwestliches Nachbarland behandelt. Und auch Gerd Busse, der Autor von "Typisch Niederländisch", ist wieder beteiligt, er hat das Buch des niederländischen Autors Jacco Pekelder ins Deutsche übertragen. Und um es gleich zu sagen: "Neue Nachbarschaft" ist ein völlig anderes Werk als "Typisch Niederländisch". Während letzteres Buch die Niederlande und ihre Bewohner im Allgemeinen behandelt und für eine breite Leserschaft geschrieben wurde, ist ersteres etwas sehr spezielles: Es geht um die Entwicklung der Beziehung zwischen Deutschland und den Niederlanden von 1990 bis heute.

Warum ist ausgerechnet dieser Zeitraum so interessant für eine Betrachtung? Weil die Situation heute verglichen mit 1990 nicht unterschiedlicher sein könnte. Anfang der 1990er Jahre war die Beziehung zwischen den beiden Ländern in einer Krise. In den Niederlanden herrscht ein negatives Bild von "den Deutschen" vor, umgekehrt war es nicht besser. Genau hier setzt die erste Frage, die sich "Neue Nachbarschaft" stellt, an: Wie kam es zu dem schlechten Verhältnis. Pekelder nimmt die Situation von 1990 auseinander und zeigt auf, dass es nicht "die" Antwort gibt, sondern dass viele Steine ein Mosaik bildeten und dass sich die Stimmung gegenseitig aufschaukelte. Eine negative Publikation im einen Land über das andere führte prompt zu einer umgekehrten Reaktion. Das ganze erste Kapitel widmet sich dieser Situationsbeschreibung, und zwar aus der Sicht beider Staaten.

Ab dem zweiten Kapitel untersucht Pekelder dann, was seit den 1990er Jahren gemacht wurde, respektive passiert ist, dass sich das Verhältnis bis zum Jahr 2013 so gebessert hat (das letzte Ereignis, auf das das Buch konkret Bezug nimmt, fand im Mai 2013 statt und zeigt, dass es akutell und am Puls der Zeit ist). Er betrachtet dabei die verschiedenen Dinge separat, um sie Stück für Stück zu einem Ganzen zusammen zu fügen. Wie schon die Ursache der Beziehungskrise, so ist auch ihre Auflösung nicht mit einem Ereignis oder einer Initiative zu erklären, sondern auch hier ergeben viele Steine ein Mosaik. Pekelder betrachtet polititsche Initiativen und Besuche von Staatsmännern, Journalistennetzwerke, Bildungsprogramme, Studierendenaustausch und nicht zuletzt auch Handelsbeziehungen und Tourismus. Immerhin sind die Niederlande heute das dritthäufigste Reiseziel der Deutschen für Kurzurlaube.

Jacco Pekelder ist Professor an der Universität Utrecht und Gastprofessor an der Universität des Saarlandes. Sein Fachgebiet ist Geschichte, entsprechend kann er die Verflechtungen von unterschiedlichen Ereignissen und deren Wirkungen analysieren, auseinander nehmen und ein breites Bild des Umschwungs in den Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden zeichnen. Sein Schreibstil ist der eines Wissenschaftlers, allerdings ohne dabei zu sehr in Fachsprache abzugleiten. Dennoch muss man einschränken, dass "Neue Nachbarschaft" eher für speziell interessierte Leser gedacht ist. Es betrachtet nur den angebenen Zeitraum und das Verhältnis von Deutschland und den Niederlanden. Andere Dinge, wie etwa politische Ereignisse, werden nur betrachtet, wenn sie zu der Situation einen Bezug haben. Und auch generelle Dinge über die beiden Länder und ihre Einwohner werden nur angesprochen (im Gegensatz zu beispielsweise "Typisch Niederländisch"), wenn sie eine Rolle im deutsch-niederländischen Verhältnis innerhalb der letzten 20 Jahre spielen.

"Neue Nachbarschaft  - Deutschland und die Niederlande, Bildformung und Beziehungen seit 1990" ist hochinformativ und zeigt, dass Probleme oder Krisen sich nun mal nur in den seltensten Fällen "auf einen Schlag" lösen lassen. Meistens braucht es viele kleine Schritte, ein Netzwerk an Ideen, Menschen, die unermüdlich daran arbeiten und vor allem eins: Geduld. Gerade in der heutigen Zeit vergessen wir das gerne, weil wir ja möglichst schnell Ergebnisse sehen wollen.

Das Buch wird gefördert durch den "Nederlands Letterenfonds" und die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Es ist im Oktober 2013 erschienen, hat 170 Seiten Umfang und kostet 18,00 Euro.


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Mittwoch, 24. Juli 2013

Touri-Klischee adé – Deutsche passen sich im Urlaub an

Laut einer aktuellen Umfrage reisen die Deutschen sehr interessiert und gut informiert. Das ist wichtig, denn viele Gepflogenheiten im Ausland sind ungewohnt – gerade beim Thema Bezahlen.

Andere Länder, andere Sitten – deutsche Urlauber gehen gerne auf Entdeckungsreise: Als Touristen möchten sie sich im Urlaub nicht nur auf den klassischen Pfaden bewegen, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag von Visa Europe zeigt, sondern das Urlaubsland möglichst authentisch erleben.

Fast 90 Prozent der Befragten geben an, im Urlaub auch Orte zu besuchen, die unter Ortsansässigen beliebt sind und abseits der Touristenattraktionen liegen. Bei den Reisenden unter dreißig sind es sogar 95 Prozent. Das beweist: Das Bild des Touristen, der nur zwischen Hotelpool und Sehenswürdigkeiten pendelt, ist mittlerweile passé. Die repräsentative Umfrage zeigt auch, dass die deutschen Reiseweltmeister dabei möglichst wenig auffallen möchten: Über zwei Drittel der Befragten finden es gut, wenn sie nicht sofort als Urlauber erkannt werden – Touri-Klischee, adé!

Auch im Urlaub ein Thema: Geld

Dementsprechend informieren sich 86 Prozent der Deutschen vor Abreise über die Gepflogenheiten im Reiseland. Dies ist durchaus sinnvoll, denn wer in lokalen Restaurants, Bars oder Cafés einkehrt, merkt häufig Unterschiede zu den hiesigen Gewohnheiten. Dies gilt für allgemeine Höflichkeitsregeln ebenso wie für das Thema Bezahlen: Wie viel Trinkgeld ist angemessen? Ist es im Restaurant üblich, getrennt zu bezahlen oder teilt man die Rechnung? Bestellt jeder ein Getränk oder laden sich Freunde wechselseitig zu Runden ein? „Die Bezahlgepflogenheiten im Ausland können durchaus unterschiedlich sein. Daher empfehlen wir für die Reisekasse immer einen Mix aus Zahlungsmitteln mit Bankkarte, Bargeld und Kreditkarte. Während einige Restaurants in Deutschland beispielsweise noch keine Kartenzahlung anbieten, ist es in Amsterdam manchmal genau umgekehrt: Hier gibt es sogar Restaurants, die gar kein Bargeld mehr akzeptieren“, sagt Michael Hoffmann, Vice President Marketing bei Visa Europe in Deutschland. Für deutsche Touristen ebenfalls ungewohnt dürfte es sein, dass man in London problemlos mit der Kreditkarte das Ticket für die U-Bahn lösen kann und in Stockholm häufig sogar an Straßenständen mit „Plastikgeld“ bezahlt. Diese Gepflogenheiten sind manchmal selbst innerhalb eines Landes unterschiedlich, wie das Beispiel Italien zeigt: Im Norden Italiens sind Kartenzahlungen verbreiteter als im Süden. Überraschend für deutsche Urlauber dürfte auch die Türkei sein: Wer zu den ersten Kreditkartenbesitzern in Deutschland gehört, die eine Kontaktlos-Funktion auf ihrer Karte haben, sollte diese auf die Türkeireise mitnehmen, denn hier gibt es bereits 69.000 Kontaktlos-Terminals (Stand März 2013).

Auf der Suche nach Tipps im Internet

Sich über die Gepflogenheiten im Urlaubsland zu informieren, da gibt es viele Möglichkeiten. Immer mehr Reisende nutzen das Internet. Portale wie easyvoyage sind da sehr hilfreich, da seine Reisetipps journalistisch erarbeitet und aufbereitet sind. Daran arbeiten 20 Journalisten, die nicht nur selber die entsprechenden Orte und Hotels besuchen, sondern auch mit Agenturen vor Ort zusammenarbeiten. Entsprechend werden die Informationen jeden Tag auf den neuesten Stand gebracht.

Auf diese Weise steht dem Urlaubserlebnis nichts mehr im Weg. Und man fällt nicht als "Touri" auf.



Barclaycard New Visa


Quelle: VISA Europe / easyvoyage

Dienstag, 23. Juli 2013

Drachenboote und Gaumengenüsse: Nordholland feiert das Wasser

Westfriese Waterweken. Bild: Niederländisches Büro für Tourismus und Convetion

In zahlreichen kleinen Orten Nordhollands finden vom 25. Juli bis 24. August die sogenannten „Westfriese Waterweken“ statt, die Wochen des Wassers. In Hafenstädtchen wie Hoorn, Enkhuizen und Medemblik (Region Westfriesland) wird Wasser einen Monat lang thematisiert und zelebriert – mit verschiedenen Konzerten, familienfreundlichen Aktivitäten, Jahrmärkten und Wassersport-angeboten. Die Höhepunkte zum Abschluss der Feierlichkeiten sind ein Drachenbootrennen und die Parade der Marinefregatten.

Nautische Nostalgie

Zum 525-jährigen Bestehen der niederländischen Marine legt am 25. August eine Flotte von Militärbooten in Hoorn an. Die grau getarnten, technisch hochwertigen Fregatten bieten einen schönen Anblick im kleinen Fischereihafen von Hoorn. Ebenso überraschend sind die einfachen Drachenboote, in denen verschiedene Teams gegeneinander antreten: Die langen, bunt bemalten Holzboote mit dem Drachenkopf am vorderen Bug stammen ursprünglich aus China, sind aber auch auf holländischen Gewässern mittlerweile Tradition.

Wer nicht nur zuschauen, sondern selber auf Fahrt gehen will, kann am Abend des 25. Julis ab Enkhuizen mit dem alten Fährboot „Bep Glasius“ aufs IJsselmeer hinaus schippern. Der kleine Kahn bringt im regulären Linienverkehr bis zu 300 Passagiere nach Stavoren am östlichen IJsselmeerufer. Auf der größten nautischen Second-Hand-Börse der Niederlande können Interessenten währenddessen direkt ein eigenes Boot erstehen und die wasserreiche Provinz Nordholland so auf eigene Faust erkunden. Der große Markt findet vom 23. bis zum 25. August in Hoorn statt – und natürlich sind auch Schaulustige eingeladen, zwischen den alten Schiffchen umher zu schlendern.

Nordhollands Leckereien

Viel zu sehen gibt es im Hafen von Medemblik, wenn am 9. August bei „Kulinarik am Kai“ Leckereien aus der Region angeboten werden. Am folgenden Tag können Besucher zusehen, wie Fisch und Aal auf traditionelle Weise geräuchert werden. Der im Rauch von Holzfeuern gegarte Fisch schmeckt in der IJsselmeerluft besonders gut. Zum Abschluss sollte man sich Zeit nehmen, den Blick noch einmal über das Wasser schweifen zu lassen – am besten vom Schloss Radboud aus, welches schon seit dem
13. Jahrhundert direkt am IJsselmeer (früher Zuiderzee) in Medemblik steht. Am 10. August finden hier Führungen statt, die einen Einblick in das Leben im Mittelalter entlang der IJsselmeerküste geben.

Westfriesische Waterweken 2013:
Enkhuizen: 25. bis 28. Juli
Stedebroec: 3. August
Medemblik: 9. bis 11. August
Koggenland: 23. bis 24. August
Hoorn: 23. bis 25. August

Weitere Informationen (auf Niederländisch): www.waterweken.nl

Weitere Informationen zur Region: http://familienurlaub.holland.com; www.noord-holland.com

Quelle: Niederländisches Büro für Tourismus & Convention

Samstag, 1. Juni 2013

Escher und die islamische Kunst: Ausstellung im Tropenmuseum in Amsterdam

Die ausdrucksstarken Arbeiten des niederländischen Grafikers M. C. Escher machten ihn weltberühmt – über den Einfluss der islamischen Kunst auf sein Œuvre weiß man allerdings nur wenig. Das Tropenmuseum in Amsterdam präsentiert ab 12. Juli eine seiner wichtigsten Inspirationen: Zum ersten Mal wird in einer Ausstellung die Verbindung zwischen seinen Werken und islamischer Kunst in den Fokus gerückt. So wird deutlich, wie eine Reise nach Spanien, die Escher (1898 - 1972) als junger Mann machte, sein Leben und seine Arbeiten ausgiebig veränderte. Neben Werken aus den Sammlungen des Gemeentemuseum Den Haag und der M. C. Escher-Stiftung kommen die Highlights der Ausstellung aus dem Victoria & Albert Museum London. Parallel werden Eschers Arbeiten auch im Den Haager Museum Escher in het Paleis gezeigt und der niederländische Verlag Thot veröffentlichte einen reich illustrierten Katalog auf Niederländisch und Englisch.

Inspirationsreise durch Granada

Seine Faszination für geometrische Muster bekam einen großen Schub während zweier Reisen in den Jahren 1922 und 1936, wo Escher die Alhambra im südspanischen Granada besuchte. Die endlose Wiederholung und Regelmäßigkeit, mit der die Muster alle Flächen füllte, faszinierte ihn nachhaltig. Mit erkennbar tierischen und menschlichen Figuren erstellte er seine eigenen Variationen der Muster, wie er sie in Spanien gesehen hatte. Dort beschäftigter er sich außerdem ausführlich mit mathematischen Studien zur Bildung von Gittern und Symmetrie, die er anschließend in seinen Arbeiten berücksichtigte. So entstand nach und nach der geometrische Stil Eschers, wie wir ihn heute kennen.

Neben weltberühmten Werken des niederländischen Grafikers zeigt das Tropenmuseum auch weniger bekannte Arbeiten wie braunes Geschenkpapier, das Escher für die niederländische Kaufhauskette „De Bijenkorf“ entwarf. Zudem geben Meisterwerke der islamischen Kunst, wie ein bronzener Sarg und indische Miniaturgemälde aus dem 14. Jahrhundert, einen Einblick in die Einflüsse des Künstlers. Die gezeigten Objekte sind nicht unbedingt religiöser Natur. Ganz im Gegenteil: In der Regel wurden die Objekte in einer nichtreligiösen Umgebung verwendet, die sich über ein großräumiges Gebiet von Spanien bis nach Indien erstreckt.

Schauen, vergleichen und staunen

In der Ausstellung formt Eschers Besuch der Alhambra den Ausgangspunkt für einen Vergleich zwischen seinem Œuvre und der islamischen Kunst. Die Grafiker sah nicht viel mehr islamische Kunst als die Dekorationen in Alhambra – und so hat er die meisten Objekte, die im Tropenmuseum gezeigt werden, gar nicht gesehen. Und doch sind viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, da beide Kunstformen auf den gleichen mathematischen Prinzipien und Formen basieren.

So zeigt der direkte Vergleich die Übereinstimmungen in Form, Stil und Thema. Digitale Animationen und Zeichnungen beschreiben die auffallend ähnliche mathematische Grundlage, Struktur und Zusammensetzung der Arbeit. Mit interaktiven Features wie digitaler Beschilderung und Puzzles können Besucher selbst entdecken, wie diese mathematischen Kunstwerke arbeiten – und so wird diese kulturelle Begegnung zwischen islamischer und europäischer Kunst direkt erlebbar gemacht.

Das Tropenmuseum in Amsterdam präsentiert, untersucht und fördert den Austausch zwischen Kulturen. Neben Ausstellungen und zahlreichen Veröffentlichungen setzt die Kulturstätte auf Expertenrunden, Bildungsmaßnahmen und andere Aktivitäten, um die Öffentlichkeit zu informieren und für kulturelle Themen zu begeistern. In einem der schönsten Gebäude der Stadt gelangen Besucher in eine Reise durch die Zeit und durch die Welt: Von den vielen Gesichtern der afrikanischen Kultur bis zum bolivianischen Karneval, vom Sonnenuntergang in einer orientalischen Stadt bis zur musikalischen Weltreise. Speziell für Familien und Kinder zwischen 6 und 13 Jahren lädt das Tropenmuseum Junior zudem in der interaktiven Ausstellung „MixMax Brasil“ ein zu Remix-Musik und Tänzen sowie Upcycle-Bastelaktionen.



Weitere Informationen:


„Escher meets Islamic Art“
12. Juli bis 3. November 2013

Tropenmuseum
Linnaeusstraat 2, Amsterdam, Niederlande
info(at)tropenmuseum.nl, www.tropenmuseum.nl

Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr
Das Museum ist für Rollstuhlfahrer zugänglich.



Quelle: Niederländisches Büro für Tourismus und Convention

Donnerstag, 30. Mai 2013

Von Piraten, Haifischzähnen und Anchovis: Sommerliche Abenteuer in Zeeland

Die niederländische Provinz Zeeland ist ein beliebtes Ziel für den Familien-Urlaub und das zu recht: Während die lange Küstenlinie mit ihren schönen Stränden zum Herumtoben oder Entspannen am Wasser einlädt, verführen schmucke Patrizierhäuser in den vielen kleinen Städtchen in die spannende Zeit der Ostindien-Kompanie. Auch kulinarisch hat Zeeland viel zu bieten: Das Aushängeschild der Region sind lokale Spezialitäten aus Meer und Watt.

Austern sammeln, Birnen pflücken

Ein Einstieg in die köstliche Vielfalt der Provinz bietet das Tourenbüchlein „Herrliches Zeeland“, das acht verschiedene Vorschläge für Rad- und Wanderrouten bereithält. Vom perfekten Angelplatz bis zur besten Adresse für Meeresfrüchte, weist das Buch zahlreiche schlaue Tipps auf. Zu empfehlen ist insbesondere die sogenannte „Salz-Radroute“, die sich thematisch mit Muscheln und Austern befasst. An der Oosterschelde dürfen Urlauber die leckeren Schalentiere sogar für den eigenen Bedarf sammeln; hier findet man neben Austern auch Herzmuscheln und Strandschnecken.

Der Boden zwischen Zeelands vielem Wasser ist besonders fruchtbar und so findet man auch abseits des Meeres lokale Produkte, die zu empfehlen sind: Äpfel, Birnen, Johannisbeeren und Weintrauben zieren im Frühjahr die Landschaft und werden von den Bauern am Straßenrand zum Verkauf angeboten. Den ganzen Juni über kann man im Meeresarm Zwaakse Weel zudem mit dem Boot „Zwerver3“ zur Wehrfischerei fahren, um einmal zu sehen, wie Anschovis gefangen werden. Bei der anschließenden Rundfahrt über die Oosterschelde erzählt ein kundiger Guide alles Wissenswerte zum Obstanbau und Fischfang in der Region.

Zeelands historische Wurzeln

Der Fischfang spielt seit jeher eine wichtige Rolle für die Provinz Zeeland. Früher wurden Garnelen entlang der Küste mit Zugpferden gefangen – eine Tradition, an die im südzeeländischen Örtchen Breskens auch heute noch festgehalten wird. Urlauber können zusehen, wie die kräftigen Vierbeiner Schleppnetze durchs Wasser ziehen und so nicht nur Garnelen, sondern auch kleinere Fische und Seesterne fangen. Dass die Nähe zum Wasser auch gefährlich werden kann, zeigte die Überschwemmungskatastrophe von 1953. Das „Watersnoodmuseum“ im alten Seedeich bei Ouwerkerk erläutert, was während dieser schweren Sturmflut genau geschah.

Die sogenannte „Piraten-Route“ durch den schönen Urlaubsort Zierikzee lässt junge und alte Abenteurer noch weiter zurück in die maritime Geschichte Zeelands reisen. Die schmucken Patrizierhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Zentrum des Städtchens zeugen noch heute von erfolgreichen Handelsbeziehungen der Zeeländer mit Ostindien. Manchmal erbeuteten sich die Schiffsleute ihre Reichtümer allerdings auch auf unfeine Piraten-Art: Feindliche Schiffe aus England oder Spanien wurden kurzerhand überfallen und ausgeraubt. Während eines Spaziergangs durch Zierikzee und andere Örtchen im Umland erwachen die spannenden Geschichten aus dieser Zeit wieder zum Leben. Wer auf Fahrrad oder Wanderstock lieber verzichtet, kann die zeeländische Landschaft mit ihren Blumendeichen und Schafswiesen von einer historischen Eisenbahn aus genießen. Die Dampflok aus den 30er Jahren und die liebevoll restaurierten Waggons verkehren im Sommer mehrmals täglich zwischen Goes und Borsele.

Aktiv am und auf dem Wasser

Etwas wilder geht es auf den zahlreichen Gewässern der Provinz zu: Am Brouwersdam beispielsweise sind die Bedingungen ideal für Wassersportler. Die Segel der Kitesurfer spannen sich hier elegant im Wind und der breite, flache Strand bietet sich an zum Blokarten. Rund um das schmale Binnengewässer Veerse Meer haben sich zahlreiche Sportschulen angesiedelt, die Anfängern das Surfen beibringen und Profis gerne beraten. Auch Freunde des Segelsports suchen nicht lange nach ihrem Glück. Der Ort Vlissingen veranstaltet im August das große Segel-Großevent „Sail de Ruyter“, bei dem an zwei Tagen Segelschiffe jeder Art zu bestaunen sind. Es wird außerdem eine Wassersportarena für Kinder aufgebaut und es finden zahlreiche Märkte statt. Auf der Oosterschelde erwartet kleine Abenteurer ein weiteres unvergessliches Erlebnis: Hier werden Ausflüge zu den Seehunden veranstaltet, die bei niedrigem Wasserstand vom Boot aus gut zu sehen sind.

Dem Sommer-Urlaub fehlt so nur noch ein einzigartiges Souvenir – und auch das gibt es direkt am zeeländischen Strand: An der Zwin-Rinne bei Cadzand und am Radarturm in Nieuwvliet werden mit jeder Welle uralte Haifischzähne angespült, die die glücklichen Finder natürlich mit nach Hause nehmen dürfen. Die Zähne sind bis zu 15 Millionen Jahre alt und stammen aus der Zeit, als weite Teile der Niederlande noch von Wasser bedeckt waren.

Weitere Informationen: www.vvvzeeland.nl; www.familienurlaub.holland.com


Quelle: Niederländisches Büro für Tourismus und Convention

Donnerstag, 14. März 2013

SAISONSTART IM FREIZEITPARK: Walibi Holland eröffnet neues Ferienhausdorf

Der Freizeitpark Walibi Holland in der niederländischen Provinz Flevoland öffnet am 30. März wieder seine Tore und lockt mit neuen Einfällen: die Besucher können ab sofort in einer neuen Ferienhaus-Anlage direkt im Park übernachten. Außerdem offeriert der Park seinen Gästen einen besonderen Service, mit dem lange Warteschlangen vor den Attraktionen vermieden werden.

Walibi Village

Zum Saisonstart wird die neue Ferienhausanlage von Walibi Holland, das „Walibi Village“, eröffnet. Walibi Village besteht aus modernen Ferienhäusern, die sieben bis acht Personen Platz bieten, während Campingfreunde auf dem parkeigenen Campingplatz auf ihre Kosten kommen. Das Besondere ist, dass die Übernachtung im Walibi Village inklusive Eintrittskarte für den Freizeitpark ist. Außerdem ist der Aufenthalt – anders als in den meisten anderen Bungalowanlagen – bereits ab einer Nacht buchbar.

Fast Lane

Auf die Parkbesucher wartet ab Ende März zudem ein besonderer Service. Walibi Holland ist der erste Ferienpark in den Niederlanden, der seinen Gästen ein zeitsparendes Konzept anbietet, damit sie nicht länger Schlange stehen müssen. „Fast Lane“ heißt das neue System, bei dem die Besucher per Smartphone ein sogenanntes „Fast Lane“- Ticket erwerben. Das Programm hält einen Platz in einer Attraktion frei, so dass man nicht länger anstehen muss und mehr Zeit für die Parkerkundung hat. Kurz bevor die Besucher an der Reihe sind, erhalten sie eine Smartphone-Nachricht und können die Attraktion über den speziellen „Fast Lane“-Eingang betreten.

Festivals

Während der Parksaison sind außerdem verschiedene Festivals geplant. So stehen in den Sommermonaten unter anderem die „Summer Nights“ mit Büffet, Feuerwerk, Tänzern und Musikern auf dem Programm. Im Oktober finden zudem die „Halloween Fright Nights“ statt.

Für weitere Informationen: http://www.walibi.com/holland/


Quelle: Niederländisches Büro für Tourismus und Conention

Sonntag, 10. März 2013

"Typisch niederländisch - Die Niederlande von A bis Z" von Gerd Busse [Rezension]

Bei einem meiner Besuche in den Niederlanden war ich mit meiner damaligen Freundin im "Burgers' Zoo" in Arnhem. Wir waren fasziniert von den riesigen Gehegen, die den Tieren unglaublich viel Auslauf ließen. Das Gehege mit dem Pelikanen war mit einer Hecke umgeben, die ein Erwachsener gut hätte überwinden können. Zumindest hätte er den Arm ins Gehege stecken können, weswegen hier ein Schild aufgestellt war: "Vogels picken!" Für den Fall, dass man das nicht verstand, war auch noch ein Bild gemalt, das zeigte, wie ein Pelikan nach einem unbedachten Besucher schnappte.
Neben besagtem Schild stand eine Bank und auf jener saß ein älteres niederländisches Ehepaar. Der Mann sprach uns unvermittelt an, er deutete auf das Schild und sagte irgendwas mit "oppassen". Sein Lächeln verriet mir, dass er wohl gerade einen Witz gemacht hatte, den wir aber leider - mangels Sprachkenntnisse - nicht verstanden hatten. "Ähm, sorry, Deutsch", gab ich zurück und zu meiner Überraschung bekam ich eine Antwort auf Deutsch: "Ach so. Verstehst Du, ich habe einen Witz gemacht. Ich habe gesagt, dass Ihr auf Eure Geldbeutel aufpassen müsst. 'Picken' auf Niederländisch heißt 'schnappen', aber es heißt auch 'jemandem etwas stehlen'."

Das war nicht das erste und auch nicht das einzige Mal, dass wir einfach so angesprochen wurden. Im Zoo, im Imbiss, in unserer Unterkunft, überall. Oftmals war der Auslöser, dass unsere Umgebung mitbekam, dass wir Deutsche sind. Einmal machten wir uns zusammen mit einem Niederländer über die Tatsache lustig, dass ein Souvenirladen in Amsterdam eine Kuckucksuhr anbot, auf der sogar ein Mädel in typischer Schwarzwaldtracht (!) dargestellt war. "Da kommen die Amerikaner und die Japaner und denken, das ist typisch niederländisch", sagte der Niederländer. Auch mich amüsierte der Gedanke an einen Amerikaner, der zurück in seiner Heimat seinen Freunden die "famous Dutch cuckoo clock" präsentiert.
Aber können wir selbst so sicher sein, dass wir wissen, was "typisch niederländisch" ist?

Im Agenda-Verlag ist zu genau diesem Thema ein Buch erschienen: "Typisch niederländisch - Die Niederlande von A bis Z" von Gerd Busse. Der Autor ist Projektentwickler und Berater in deutsch-niederländischen Bildungsprojekten, er hat einige Jahre in den Niederlanden studiert und auch gearbeitet. Und offenbar hat er nicht nur Studien in seinem Fachbereich betrieben, er hat auch die Niederländer als solche studiert. Das Buch richtet sich explizit an Deutsche, denn neben den Dingen, die vermutlich jeder als "typisch niederländisch" bezeichnen würde (Holzschuhe, Tulpen, Windmühlen) geht es auch um die Unterschiede in der Mentalität und warum ahnungslose Deutsche gern mal an der niederländischen Arbeitsweise verzweifeln. Sein Buch ist zwar aufgebaut wie ein Lexikon, die Themen sind alphabetisch sortiert und es gibt Querverweise, aber der Stil ist niemals trocken, sondern Busse erzählt immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Der Lexikonstil hat zudem einen Vorteil, man findet Passagen zu bestimmten Themen einfacher wieder, kann das Buch aber trotzdem von Anfang bis Ende durchlesen wie jedes andere Werk.
Außerdem kommen auch die nicht so ganz positiven Dinge zur Sprache, wie etwa die niederländische Kolonialzeit, der Rechtspopulismus eines Pim Fortuyn und Geert Wilders oder das Versagen der niederländischen UN-Truppen 1995 beim so genannten "Massaker von Srebrenica".

Das Buch wendet sich an Menschen, die die Niederlande besuchen und mehr über ihre Bewohner erfahren wollen, sei es als Touristen oder weil man dort studieren oder arbeiten möchte. Auch werden dem Leser Tipps im alltäglichen Umgang gegeben und für Verständnis geworben. Tatsächlich bekommt man nach der Lektüre Lust, manche der angesprochenen Dinge selbst zu erleben, etwa die improvisierende Arbeitsweise, die einem "planungsgewohnten" Deutschen arg unorthodox vorkommen muss. Auch fand ich amüsant, dass die Niederländer - wenn die Situation entsprechend ist - so fluchen können, dass selbst einem Kapitän Haddock die Schamesröte ins Gesicht steigen würden: "Krijg de cementpokken op je borst, dan kan je bounkers bouwen, vuile pestpokkenteringlijder!" wird als extremes Beispiel angeführt. Für die deutsche Entsprechung dieses Fluchs würde man wahrscheinlich drei Klagen von vier verschiedenen Anwälten kriegen: "Ich wünsch Dir die Zementpocken an den Hals, dann kannst Du Bunker bauen, Du dreckiges, schwindsüchtiges Pestbeulengesicht!"


"Typisch niederländisch - Die Niederlande von A bis Z" ist sehr zu empfehlen für Reisende, die mehr über das Land, seine Bewohner und deren Mentalität erfahren wollen, als es Reisführer können. Das Buch ist randvoll mit Informationen, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Wo andere Bücher auch mal gern durch einen breiten Rand glänzen, nimmt dieser im vorliegenden Werk gerade mal einen Zentimeter Platz ein. Viel Information gegenüber wenig weißer Fläche.



"Typisch niederländisch - Die Niederlande von A bis Z" von Gerd Busse

ISBN: 978-3896884701

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